Sterne und Alpenglühen

Eine kalte und kristallklare Nacht auf der Rotwand

Nach langer Zeit endlich war der Wetterbericht wieder mal positiv. Das wollte ich ausnutzen um Sterne zu fotografieren. Und so überlegte ich also nicht lange und bereitete eine Übernachtung am Rotwandhaus auf der Rotwand in Bayern vor. Das Wetter dürfte lt. Vorhersage sehr klar werden und zudem hatte es gerade eben noch geschneit. Es könnte also nochmals einen schönen Winterwald unter der Sonne geben. Einzig die Kälte und der Wind machten mir etwas Sorgen. Ich packte also meinen Rucksack mit vielen Klamotten … und er wurde immer schwerer. Ich schätze das Ding hatte gesamt um die 20 Kilo. Mit dabei war diesmal auch mein neuer Panokopf von Novoflex sowie eine Nivelierbasis von Sirui. Ich wollte wieder mal die Sterne und Alpenglühen fotografieren und so studierte ich auch vorher den Sternenhimmel im Programm Stellarium. 🙂 Es schaute perfekt aus. Die Milchstraßensaison beginnt ja jetzt, dass heißt, das helle Zentrum der Milchstraße kommt wieder in den sichtbaren Bereich unseres Breitengrades auf der nördlichen Erdhalbkugel. Diesmal nahm ich auch meine Tourenstöcke mit, da ich nicht wusste ob der Weg rauf zum Rotwandhaus geräumt war oder ob ich im tiefen Schnee stapfen musste. Zudem wollte ich die Stöcke auch dazu benutzen, den Nodalpunkt, bei der Verwendung des Panokopfes, exakt einzustellen, was mir dann sogar im Zimmer gelang. Und der Weg war, wie sich herausstelle, auch kein Problem.

 

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Gut, dann ging es also am Vormittag los. Zuvor musste ich mich noch durch verschiedene Telefonate quälen, die mich von meiner eigentlich geplanten Abfahrtzeit, abhielten. Ich fuhr also erst eine Stunde später los, und dann hatte die S-Bahn auch noch Verspätung und ich versäumte in Holzkirchen die BOB in Richtung Schliersee. Also nochmals 40 Minuten warten. Dann ging's aber wirklich los. Je weiter ich in die Nähe der Berge kam, desto blauer wurde der Himmel, aber desto stärker wurde auch der Wind. Als ich am Schliersee war, sah ich bereits Schneefahnen auf der Brecherspitze. Ich ahnte was das bedeutete. In Fischhausen stieg ich in den Bus zum Spitzingsee um und um 13:30 Uhr ging ich bei der Haltestelle Spitzingsee Kirche los. Die Taubensteinbahn war diesen Winter geschlossen und so blieben mir nur die etwa 800 Höhenmeter Aufstieg über den Versorgungsweg des Rotwandhauses zur Rotwand. Ich kam zügig voran. Bei der Abzweigung zum Rotwandhaus, in der Höhe der Bergwachthütte, schnallte ich meine Spikes an die Füße. Nur zur Sicherheit. Das Gehen im Schnee war absolut problemlos. Das Wetter war traumhaft und die Fernsicht gigantisch. Auch der schwere Rucksack bereitete mir keine Probleme. Mit einer kurzen Rast ging ich in etwa 2 1/4 Stunden rauf aufs Rotwandhaus. Dort gönnte ich mir gleich mal ein alkoholfreies Weißbier und einen Linseneintopf und bezog darauf mein Lager. Wie immer war ich im Zimmer 9 untergebracht. Ein Lager für 5 Personen ... für mich alleine ;-), und das um 12 Euro (mit Alpenvereinsausweis). Günstiger gehts echt nicht. Es war schon etwa 16:30 Uhr als ich mich auf dem Weg zum Gipfel machte. Dieser Weg gestaltete sich als schwieriger, da es kaum eine Spur rauf gab. Eigentlich sind das nur etwa 150 Höhenmeter, aber die haben es bei Tiefschnee ganz schön in sich. Beim Aufstieg war der Wind noch sehr zurückhaltend, aber als ich oben ankam, musste ich mich zuerst mal am Gipfelkreuz festhalten, weil eine Böe so heftig war und mich fast um blies. Es war außerdem ein sehr kalter Ostwind der da wehte.

Ich baute aber trotzdem mein Stativ auf und begann zu fotografieren. Bei Sonnenlicht war das noch kein Problem, obwohl eine Böe das Stativ mit Kamera umwehte. Ich konnte es gerade noch vor dem Aufschlag auf dem Schnee auffangen. Natürlich war der eine oder andere Flucher dabei, denn der Sonnenuntergang war traumhaft und er Wind verhinderte einige Fotos, denn längere Belichtungszeiten waren auch mit am Stativ hängenden Rucksack nicht möglich. Auch der Objektivwechsel gestaltete sich als schwierig, denn man musste den Sensor vor dem Sturm schützen. Nach einer gewissen Zeit bemerkte ich schon die Kälte in den Fingern. Was tun, ich will noch nicht zurück zur Hütte! Es ist so schön und faszinierend! Sterne und Alpenglühen, alles war an diesem Abend dabei, nur musste ich einen sicheren Standplatz finden.

 

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Ich entschied mich etwas abzusteigen und eine andere Position zu suchen. Das war keine schlechte Idee. Zwar rutschte ich am Gipfel, mit dem Stativ und der Kamera in der Hand aus und schlitterte ein paar Meter runter, aber ich merkte gleich, dass der Wind unter dem Gipfel um ein vielfaches schwächer war und dass sich zudem aus dieser Position tolle Motive ergaben. So fotografierte ich während des Abstiegs fleißig und positionierte mich für kurze Zeit am Rande einer großen Wächte. Dort versank ich allerdings ziemlich tief im Schnee und so musste ich mir wieder eine neue Position suchen. Etwa 100 Meter von mir entfernt war ein kleiner Nebengipfel, der auf der einen Seite ziemlich abgeweht war, auf der anderen Seite aber eine mächtige Wächte besaß. Ich musste mich also so positionieren, dass ich nicht auf der Wächte stand aber trotzdem die halbwegs ebene Fläche davor ausnutzen konnte. Dieser Standplatz war grandios. Ich sah das komplette Panorama der Berge und konnte sogar nach München blicken. Den Rest des Abends verbrachte ich an diesem Ort. Es begann die Blaue Stunde und nach und nach kamen wieder die Sterne heraus. Auch war gerade Halbmond, der das Land mit seinem kühlen, bläulichen Licht ausleuchtete. Zum Fotografieren ein Traum!! Zufrieden stieg ich etwa um 9 Uhr ab und gönnte mir gleich ein dunkles Weißbier. Dann ab in die Federn, denn der Wecker war auf 2:30 Uhr eingestellt.

Ohne Probleme sprang ich in der Früh auf. Der Mond war bereits hinter dem Horizont verschwunden und jetzt konnte das Abenteuer Milchstraße beginnen. Um 3 Uhr stand ich draußen und war erstaunt darüber, wie stark der Wind noch immer blies. Diesmal stieg ich nicht zum Gipfel auf, sondern blieb in der Nähe des Rotwandhauses. Ich dachte mir, die Sterne in Kombination mit dem Windrad der Hütte müssten eigentlich ein tolles Motiv ergeben. Und es stimmte, die Milchstraße stand genau in einem Bogen über dem Windrad. Auch das Zentrum der Milchstraße war zu sehen. Es stand direkt über den Hohen Tauern und dem im Vordergrund befindlichen Hinteren Sonnwendjochs, der Grenzlinie zwischen Bayern und Tirol. Das andere Ende verschwand beim Bergrücken über dem Rotwandhaus. Ich hatte bereits den Panokopf montiert und ihn mit Hilfe der Nivelierbasis ausgerichtet. Nun konnte es losgehen. Mit hoher ISO Zahl fotografierte ich einzelne Fotos in 16 Grad Schritten, die dann am PC zu einem Panorama zusammengerechnet werden. Die Kälte kroch, obwohl ich viele Schichten anhatte, wieder in die Füße und die Hände, aber ich war so fasziniert von jedem einzelnen Moment, dass ich das nur nebenbei bemerkte. Als dann das Kabel meines Nikon Fernauslösers brach und mir der erste Akku versagte, wurde mir die Kälte erst so richtig bewusst. Ich wechselte den Standort und fotografierte munter weiter. Erstaunlich war, dass nach kurzer Zeit auch mein zweiter Akku den Geist aufgab. Genau beim letzten Foto eines Panoramas. Ich konnte dieses Bild noch halbwegs am Computer retten. Gott sei dank hatte ich fürs Fotografieren noch meinen PRO Akku dabei. Um exakt 4:48 flog ein extrem heller Punkt von West nach Ost über Deutschland. Ich war deshalb so aufmerksam darauf, da ich diesen Punkt auch im Programm Stellarium gesehen hatte. Es war die internationale Raumstation ISS, die zu dieser Zeit über Deutschland flog. Sie leuchtet viel kräftiger als jeder andere Satellit. Ist schon interessant, wenn man bedenkt, dass da oben gerade Menschen mit mehr als 29.000 km/h an mir vorbeirauschten. Noch interessanter ist aber der Gedanke gewesen, ob die Astronauten überhaupt wissen, dass sie gerade beobachtet wurden ;-).

 

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Nun denn, das erste Licht der Dämmerung kam auf. Ich konnte sogar die Milchstraße in Kombination mit schwachem Dämmerungslicht fotografieren. Das war echt der Hammer. Nach und nach wurde es heller und verschluckte immer mehr Sterne und eben auch die Milchstraße. Die Blaue Stunde tauchte das Land wieder in dieses unsagbar schöne Licht. Ein Traum zum Fotografieren, vor allem wenn die Berge mit Schnee bedeckt sind. Im Süden standen der Großglockner, der Großvenediger sowie der Olperer am Horizont, im Westen leuchtete der Schinder, der die Form eines Herzens hat, sowie das Karwendel Gebirge und der Risserkogel mit Plankenstein. Im Westen zeigte sich zudem eine beeindruckende Rosa Stunde (Venusgürtel oder Venusband) bei der der Erdschatten von einem orange-rosaroten Band begleitet wird. Ich hab davon extra eine Panoramaaufnahme gemacht, die in meiner Panorama-Galerie betrachtet werden kann. Und dann kam die Sonne raus und es begann wieder das berühmte Morgeninferno, ein Bergglühen in allen Richtungen. Sterne und Alpenglühen, das volle Programm! Wie schön!! Ich war wieder total ergriffen von diesem Moment und hatte meine kalten Zehen gar nicht mehr im Kopf ;-). Um 7 Uhr stapfte ich müde, halb erfroren aber tief glücklich und zufrieden zurück in die Hütte, wo mir ein heißer Kaffee wieder leben in die Glieder pustete. Dann noch ein feines Frühstück und rauf gings wieder ins Zimmer. Ich legte mich ein bisschen nieder und lies meine Kamera wieder aufwärmen.

Ich hatte ein tolles Abenteuer erlebt und mich vom erlebten total positiv aufgeladen. Also packte ich wieder meinen schweren Rucksack zusammen und machte mich um die Mittagszeit auf den Weg zum Bus am Spitzingsee. Es war ein grandioses Fotoshooting mit einigen actiongeladenen Momenten. Ich hoffe aber, dass ich bald wieder raus in die Natur zum Fotografieren komme! Was ich mir nun besorgen muss ist ein Fernauslöser. Am besten einen ohne Kabel 😉

Die Rotwand ist auch ein idealer Ort um Fotoseminare zu veranstalten. Und zwar solche, die mehr als nur das Fotografieren beinhalten. Das ganzjährig geöffnete Rotwandhaus bietet alles was dazu nötig ist. Auf Wunsch sogar einen eigenen Seminarbereich.

Liebe Grüße
Euer Foto Doc. Günter

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